Heute habe ich meine Fotos durchgeschaut und festgestellt: So viele Bilder von Filou, immer am selben Ort, immer das gleiche Szenario. Das hat mich zum Nachdenken gebracht: Sind Rituale und feste
Wege wirklich langweilig? Oder gibt es für Filou einen ganz besonderen Sinn dahinter?
Denn wenn er die Wahl hat, geht er oft seine "Bahnhofstrasse" – benannt nach der gefühlten Hauptverkehrsader aller Hunde in unserem Dorf. Eine Menge davon kennt er sogar. Man muss wissen; Notizen
lesen ist schliesslich seine Lieblingsbeschäftigung! Seine Nase führt mich zielstrebig im Zickzack über Feld- und Waldwege.
Den offenen Wald meidet er, denn dort gibt es viiiiiel zu wenig "News" (zum Leidwesen meiner Pilzesuchleidenschaft, tzzzz) . Am Weg hingegen hat Hinz und Kunz fleissig Nachrichten hinterlassen – und Filou liest sie mit voller Hingabe: von links nach rechts, von oben nach unten, vorwärts und rückwärts. Manche Highlights sind so delikat, dass sie länger studiert und manchmal sogar degustiert werden müssen.
Ich sehe, wie all diese Infos in seinem Kopf Purzelbäume schlagen, wie ihn die vielen Eindrücke fast übermannen. Kein Wunder, dass er seine "Bahnhofstrasse" am liebsten zweimal am Tag abklappert – schliesslich muss er genau wissen, wer seine morgendlichen Botschaften überschrieben hat und welche neuen Nachrichten es gibt.
Vielleicht wäre es für ihn weniger spannend, wenn wir ständig neue Wege wählen würden – so als würde ich jeden Tag ein neues Buch anfangen, ein paar Seiten lesen, dann das nächste nehmen und erst in zwei Wochen im ersten Buch weiterlesen. Ich würde völlig den Faden verlieren!
Also, auch wenn für mich als Mensch unsere Gänge manchmal eintönig erscheinen – für Filou steckt ein ganz eigener Sinn dahinter, da bin ich mir sicher. Nicht umsonst wählt er seine Wege (wann immer es möglich ist) selbst und entscheidet sich oft für bekannte Routen, auf denen er lesen will. "Bahnhofstrassen" sind für Hunde also gar nicht langweilig, sondern einfach ihre Art, mit der Welt in Verbindung zu bleiben.
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